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Montag, 18. Dezember 2017

Dezember 2017

Es ist Dezember!

Ich kann es noch gar nicht glauben, dass meine letzte Chemo bereits über zwei Monate her ist.
Unfassbar! wo ist die Zeit geblieben?

& es ist auch noch Jahresende, d.h. 2018 steht schon vor der Tür.
Und 2018 wird MEIN, UNSER Jahr.
Mit viel Freude, glücklichen Momenten und vielen tollen Abenteuern.
Mit den besten Menschen um uns herum und ganz viel Liebe.
Und natürlich mit unserem größten Schatz, Balu!



Am meisten wünsche ich mir Gesundheit, für mich, meine Liebsten, einfach allen lieben Menschen.
Gesundheit ist das aller WICHTIGSTE!

Seid jeden Tag dankbar dafür, dass ihr gesund aufwacht und das Leben genießen könnt. Es gibt absolut nichts Kostbareres.

Besonders überwiegt die Gesundheit alle äußeren Güter so sehr, dass wahrlich ein gesunder Bettler glücklicher ist, als ein kranker König.


Arthur Schopenhauer (1788 - 1860), deutscher Philosoph


Die letzten zwei Monate habe ich genüsslich verschlungen.
Jeden kleinen Augenblick, jeden Tag, jede Stunde, Sekunde...
Ich bin dankbar dafür, dass ich bereits nach der kurzen Zeit wieder relativ fit bin und das Leben wieder mitleben kann und nicht nur zuschaue wie andere das Leben leben.

Auch meine Haare sind fleißig am wachsen und der restliche Körper erholt sich langsam von den vergangenen Monaten.



Leider kämpfe ich momentan mit einer Nesselsucht. Es ist wirklich nicht angenehm und keinem zu empfehlen.
Es haben sich an Händen, Achseln, Leiste, Kniekehlen, Füßen, Nacken und Hals Quaddeln gebildet und es juckt und brennt ganz fürchterlich. Man kann es fast damit vergleichen als würde man eine Brennnessel berühren. Wirklich kein schönes Gefühl.
Die Ärzte sind sich nicht sicher woher es kommt, aber alle gehen davon aus dass es noch immer Nebenwirkungen des Teufelszeugs (Chemo) sind.
Nach zwei Monaten könnten die Nebenwirkungen langsam mal verschwinden oder was meint ihr?

Eine Sache hat mich diesen Monat extrem gefreut.
Das erste Mal nach der Chemo war ich nun zur Vorsorgeuntersuchung und meine Ärztin als auch ich waren überrascht. Es sieht ganz danach aus, als wäre wieder alles im Einklang. Mein noch vorhandener rechter Eierstock arbeitet wie bei einer gesunden Frau. Und auch die Gebärmutter scheint nun endlich ihrer Arbeit nachzugehen.
Meine Ärztin kann es sich nicht erklären. Eigentlich ist der Körper nach einer Chemo erst mal auf Stand-by, aber bei mir ist wohl das Gegenteil eingetreten.

Vor der ganzen Geschichte mit Herrn Krebs hätte ich niemals auf natürlichem Wege schwanger werden können, da weder Eierstöcke noch Gebärmutter richtig arbeiten wollten und nun?
Die Chemo sowie die vielen OP´s haben sie wohl wachgerüttelt und nun funktioniert alles ganz normal.

Es gibt wirklich nichts tolleres, als dass nun nach dem ganzen Scheiß etwas, was vorher NIE funktioniert hat, nun wie bei jeder gesunden Frau funktioniert.

Ich kenne viele Frauen, die an der gleichen Thematik leiden, wie ich drunter gelitten habe. Es ist ein schreckliches und so unbeschreiblich schlimmes Gefühl, wenn man weiß, dass man nicht wie jede andere Frau auf natürlichem Wege schwanger werden kann.

Wenn die Eierstöcke nicht richtig arbeiten, klappt einfach nichts.
Man kann niemals dadurch "überrascht" werden, dass man plötzlich schwanger ist.
Alles wird von den Ärzten bestimmt. Man muss sich spritzen, mehrmals wöchentlich zum Arzt gehen. Dort wird alles durch Ultraschall kontrolliert und die Ärzte versuchen Hellzusehen, was als nächstes passiert und ob die Eierstöcke als auch die Gebärmutter auf die Hormone anspringen. Dann wird von den Ärzten bestimmt wann man Sex haben darf oder eben nicht.
Es sind absolute Strapazen.
Jeden Zyklus hofft man, dass es klappt.
Man hofft dass man sich nun nie wieder spritzen muss. Nicht ständig zum Arzt rennen muss.

Es ist eine Qual, die man dafür gibt, ein kleines Wunder in sich zu tragen und es sein Leben lang zu lieben und zu beschützen.

Ich hatte sogar für mehrere Zyklen eine Pumpe an meinem Bauch hängen. Jede 90 Minuten wurden Hormone in meinen Bauch gespritzt. Es ist ja nicht nur, dass man sich spritzt und Hormone nimmt. Nein der ganze Körper spielt verrückt. Man hat Schmerzen, fühlt sich unwohl und man fühlt sich so bestraft und nicht wirklich als Frau. Wie auch? Ich hatte bis nach der Chemo nie einen Zyklus. Nur mit Medikamenten konnte meinem Körper einen Zyklus vorgespielt werden.

Und dann bekommt man von anderen gesagt, "Hey wie genial ist das denn? Du hast nie deine Periode!"
Naja so genial ist es absolut nicht. Lieber würde ich jeden Monat bluten, als mich zu spritzen.

Auch durch diese Geschichte habe ich eine ganz besondere Frau kennengelernt, die leider noch immer mit ihrem Mann um dieses Wunder kämpft. Es ist immer schön nicht alleine zu sein und ich wünsche beiden von ganzem Herzen, dass ebenfalls 2018 ihr Jahr wird und sie in naher Zukunft ein kleines Wunder in sich tragen darf.

2018 ich bin ganz gespannt was du uns dieses Jahr für Überraschungen bringst. Bitte bitte nur noch schöne Überraschungen. 2017 war nun echt genug für die nächsten Jahrzehnte.



Dienstag, 12. September 2017

Chemo Nr. 7

Eigentlich stand gestern meine siebte Chemo an.
Leider sind meine Leukozyten gerade noch im Urlaub. Die Leukozyten sind die weißen Blutkörperchen, diese sind für das Immunsystem verantwortlich.
Durch die Chemotherapie ist es üblich, dass die Leukos irgendwann nicht mehr ausreichend vorhanden sind.

Das einzige was man dann tun kann ist abwarten !
Ganz schrecklich für mich, denn ich bin ein sehr ungeduldiger Mensch, außerdem verschiebt sich nun das komplette Prozedere. Oh man, das hat mich gestern ganz schön genervt.
Aber etwas Gutes hat das Ganze, denn mir wurde gesagt, dass man dadurch ganz sicher weiß, dass die Chemo bei mir hervorragend wirkt! Na wenigstens etwas.

Dadurch dass ich gestern bei meinem Onkologen war, konnte ich auch einige Fragen stellen, die mich noch beschäftigen.
Mein Immunsystem ist ja im Keller und man geht davon aus, dass es die nächsten Male auch nicht anders sein wird. Und dadurch ist die Ansteckungsgefahr extrem erhöht.

ABER mein Liebster hat doch bald Geburtstag und eröffnet an dem Tag sein viertes Studio, da möchte ich soooooooo gerne dabei sein. Das will ich auf keinen Fall verpassen.

Also habe ich meinen Onko direkt gefragt "Können Sie mich da irgendwie dopen?"
Ihr hättet den Blick von ihm sehen sollen.
Er lachte und meint, dass Drogen sicher helfen würden. Ok er hat auch Humor.
Er erklärte mir, dass man leider nichts machen könne, um mein Allgemeinzustand an dem Tag zu verbessern. Würde es sowas geben, hätte er wohl keinen Job mehr.
Dennoch kann ich gerne hin gehen, wenn es mir soweit gut geht.
Und wegen der Ansteckungsgefahr?
Kein Problem, einfach so weit es möglich ist, nichts anfassen, kranken Leuten aus dem Weg gehen und Desinfektionsmittel mitnehmen und auch benutzen. Ich müsse nun nicht ängstlich durch die Welt gehen.
Yippie, das hört sich gut an! Also drückt mir die Daumen, dass ich an dem Tag, 29.09. soweit fit bin.

Auch habe ich ihn bzgl. Mundschutz angesprochen. Ich dachte, ich könne mich damit etwas schützen. Aber auch dort konnte er mich super aufklären. Der Mundschutz ist dafür da, den Speichel des Trägers aufzuhalten, er ist aber nicht dafür da die Luft zu filtern und Keime anderer aufzuhalten.
D.h. es müssten alle Gäste einen Mundschutz tragen- Geniale Vorstellung. Wir verteilen einfach am Eingang Mundschutz statt Sekt.

Das einzige was mir helfen würde währe eine Art Gasmaske.
Als ich das Freundinnen erzählt habe, fingen unsere Phantasien an durchzudrehen. Ich mit Atemmaske zwischen allen Leuten in einem neuen Studio. Geniales Bild, was die Leute dann wohl denken?  Super Vorstellung. Der Mann der Freundin würde ein Kleid anziehen sowie eine Gasmaske, damit ich nicht alleine so aussehen würde.
Es würde auf jeden Fall mein Outfit aufpeppen und den Abend sicherlich legendär machen.

Achja es gibt noch eine Neuigkeit, seit dem 10.09.2017 fallen nun meine Haare aus. Es ist wirklich wie im Film. Seit heute morgen ist es noch heftiger. Ich habe es meinem Liebsten gezeigt und er war sprachlos und geschockt. Auch ich war heute morgen geschockt. Es wird  immer mehr.
Aus dem Grund werde ich morgen meine Haare abschneiden. Um 10 Uhr wird es soweit sein, ich bin ganz schön aufgeregt, wie es wohl aussieht und sich anfühlt?
Um 15 Uhr haben wir dann auch einen Termin bei meinem Perücken-Mann.

Eine Freundin meinte gestern, dass es für sie ganz schrecklich sein wird, denn dann sieht man das erste Mal wirklich, dass ich Krebs habe. Und ja sie hat recht. Bis jetzt sieht man es mir absolut nicht an, dass Herr Krebs bei mir ist. Aber sobald die Haare weg sind ist es offensichtlich.

Ich denke mir nur, dass durch den Haarverlust ich auch Herrn Krebs verabschiede.

Also Herr Krebs, du darfst gerne morgen mit meinen alten Haaren gemeinsam mein Leben verlassen.
Tschüss!


Freitag, 8. September 2017

1. Zyklus PEB fast geschafft

Ich kann euch gar nicht sagen, wie ich mich freue, dass am Montag meine letzte Chemo für dieses Zyklus ist.

Einerseits ging es jetzt schnell, andererseits gehen die Tage momentan absolut nicht rum. Ich freue mich jeden Tag auf 21 Uhr, denn dann gehe ich schlafen.

Ich fühle mich eingesperrt in meinem eigenen Körper. Nichts klappt so wirklich. Weder TV schauen, ein Buch lesen, Malen oder Musik  hören. Nach einer kurzen Zeit bin ich davon bereits erschöpft.
Mensch dabei habe ich mich doch so gut auf die Chemo vorbereitet.
Im Nachhinein lache ich darüber, man kann sich wirklich nicht darauf vorbereiten. Wie denn auch? 

Das einzig richtige was ich gemacht habe ist, mir Speck aufzufuttern und mir vorher keine Angst zu machen und nicht zu sehr drüber nach zu denken. Ok ich habe es etwas zu harmlos gesehen. 

Und die angefutterten Reserven sind auch schon ziemlich angegriffen. Im Krankenhaus habe ich stolze 5kg mehr auf die Waage gebracht.  Bald ist ja zum Glück Weihnachten! 

Einerseits ist da die Freude und ich zähle die Tage bis ich alles geschafft habe. Heute ist es Tag 11, also noch insgesamt 31 Tage! Dann sind beide Zyklen geschafft. 
Anderseits habe ich eine panische Angst vor dem 2. Zyklus. Nun weiß ich was auf mich zukommen kann. Ich weiß wie es sich anfühlt, was mein Körper von der Chemo denkt und was es einfach für eine große Scheiße ist. 

Ich habe einfach wahnsinnige Angst noch einmal da durch zu müssen. Gestern sagte ich zu meinem Liebsten, dass ich nun abbrechen will, ich will nicht mehr dahin. 
Ja natürlich ich muss jetzt da durch und zum Glück habe ich sooooo viele wundervolle Menschen um mich herum, die mir die Kraft geben, noch einmal erneut durch die Hölle zu gehen! 

Herr Krebs du machst mich echt fertig. Ich hoffe du hast noch stärkere Schmerzen und schlechtere Tage!

Mittwoch, 6. September 2017

Cisplatin

Leider ist es echt schwer täglich was auf den Blog zu schreiben, deshalb poste ich öfters etwas auf Instagram, geht einfach viel schneller. Also schaut gerne auch da vorbei.

Instagram:  Sandrii143

.................

Wahnsinn, es ist schon der 10. Tag und ich habe schon 6 Chemos über mich ergeben lassen. Nur noch eine und dann ist der 1. Zyklus geschafft.

Aber ganz ehrlich ? Ich habe es mir nicht so heftig vorgestellt. Ich bin da wirklich viel zu locker an die Geschichte ran gegangen.

Ich wollte es einfach nicht wahrhaben. Nicht wahrhaben, dass ich nun wirklich Herrn Krebs in mir beherberge und nur mit Hilfe einer krassen Chemo den ungebetenen Gast los werde. 

Auch wollte ich nicht wahr haben, wie stark diese Nebenwirkungen sein können und wie schnell und mit was für einer Kraft sie das Leben auf den Kopf stellen. 
Zuvor war ich eine sportliche, taffe Frau. Gerade bin ich eine erschöpfte kranke Mimimi-Frau. Aber ich darf Mimimi sein!!!! Und das solange ich dieses Teufelszeug in mir trage. Und noch weit hinaus, bis ich wieder fit bin. Bis ich wieder die Sandra bin, die ich sein möchte! 

Mich haben alle vorher aufgeklärt, gesagt dass es eine sehr schwere Zeit wird. Aber was ist eine schwerer Zeit ? Man kann es weder einschätzen noch vorahnen. 
Nun bin ich plötzlich in der schwersten und schmerzhaftesten Zeit meines Lebens, von heute auf morgen. Und nur wegen dir, Herr Krebs!!!!! 

Warum wurde mir diese Aufgabe gegeben ? Andererseits keiner hat diese Aufgabe verdient! 

Ich denke diese Aufgabe wurde mir übergeben, damit ich nun merke wie das Leben läuft, ja ich wiederhole mich, aber ich denke wirklich dass es ein Weckruf ist. 

Ein Weckruf, um über alles im Leben nachzudenken. Nun habe ich auch genug Zeit, seit 2 Nächten sogar die komplette Nacht. Was ein Luxus, nicht !   Seit 2 Nächten bekomme ich insgesamt vielleicht mal eine Stunde die Augen zu. CISPLATIN trägt seinen Teil dazu bei, ich fühle mich wie eine andere Person. 
Mein Hirn macht was es will, ich Träume Dinge, darüber könnte man die größten Horrorfilme oder Dramatas drehen. Unvorstellbar. 
Das ist nun mal Cisplatin, es geht direkt ins Hirn und ich hoffe dass es da auch direkt nach der Chemo wieder verschwindet. Ansonsten werde ich wohl wirklich Buchautorin!  

Aufgrund der dazu kommenden Schlafstörungen war ich heute auch beim Arzt. Ein Spaziergang von 3 Minuten und ich musste mich hinlegen, so viel zur sportlichen Sandra! 
Ich habe etwas für den Magen als auch für meinen sonst immer sooo tollen Schlaf bekommen. Darf aber erst heute Abend schlafen, ist ja klar. Oh man. Nur noch 12 Stunden! 

In der Apotheke hatten sie wohl so Mitleid mit mir, dass ich Salbei Bonbons geschenkt bekommen habe. Solche tollen Menschen leben bzw arbeiten hier in der Nachbarschaft. 

Wie oben schon geschrieben war ich vor der Behandlung immer die taffe Sandra, dies ist nun auch anders. Montag während der ambulanten Chemo habe ich Musik gehört, um mich einfach zu beruhigen und damit die Zeit schneller umging.
Dann lief plötzlich Axwell /\ Ingrosse - More than you know und mir liefen die Tränen. Es ist doch noch gar nicht so lange her, dass wir auf dem Tomorrowland waren, glücklich, ohne Schmerzen und tanzend und nun sitze ich hier? Mit Schmerzen, Chemo und total schlapp.

Es hat mich so getroffen, dass das alles so schnell geht, dass mir einfach die Tränen liefen.

Aber Hey das darf ich. Auch als taffe starke Sandra darf ich weinen, wenn es mir danach ist. Wenn es mir schlecht geht oder auch vor Freude. Es ist mein Leben!!!!! 

Freitag, 25. August 2017

Perücke • Port • & alles was dazu gehört!

Ganz verrückt diese Zeit mit dem Herrn Krebs.
An was man alles denken muss...

Ja ja meine Haare werden mir nun zu 100% leb wohl sagen, aber was solls?
Ich war mit meinem Liebsten bei einem Perücken Spezialisten in Ludwigsburg, Kreutzer.
Ein sehr sympatischer Mann, sein Opa hat den Laden damals, 1907, eröffnet.
Herr Kreutzer hat mir alles genau erklärt und mir viele Modelle und Frisuren gezeigt.
Leider ist es noch immer so, dass die meisten Frisuren für ältere Damen oder für Damen, welche in der früheren Zeit hängenblieben, gemacht sind. Als würden Frauen in meinem Alter, oder jünger, nicht auch an Krebs erkranken.

Wir hatten den Spaß unseres Lebens und ich durfte mehrere Perücken ausprobieren. Unfassbar was Haare so alles ausmachen.
Zum Schluss hat uns Herr Kreutzer überrascht und hat die perfekte Perücke für mich herausgeholt. Espresso-Braun, lange, glatte Haare und Pony, perfekt!!!! Auf die Haare freue ich mich schon ganz besonders!

Was mir immer mehr bewusst wird, ist, dass man ganz schön viel Kohle braucht, um krank zu sein. Klar die Krankenkasse zahlt die Hälfte der Perücke, dennoch bei 705,00 € muss ich auch mal wieder tief in die "Erzieher-Tasche" greifen.
So ist es eben, um krank zu sein muss man halt Geld haben...






Es war die absolute Beauty-Woche.
Durch die Chemo wurde mir nun mehrfach gesagt, dass die Nägel sehr dünn werden und einreißen können. Igitt ich hasse es, wenn die Nägel einreißen. Also habe ich mir Gelnägel machen lassen. Und damit die Chemo noch bunter wird und viel Glitzer dabei ist, habe ich meine Nägel extrem glitzerisch pimpen lassen. Mein Liebster hatte dann noch den Einfall, dass ja Grün die Farbe der Hoffnung ist. Also sind meine Nägel nun Türkis mit, wie oben schon gesagt, viel Glitzer.




Und da ja nicht nur die Kopfhaare ausfallen, sondern auch alle anderen sämtlichen Haare (manche Körperpatien freuen sich schon), habe ich recherchiert und eine ganz nette Frau kennengelernt. Melinda ist eine Expertin was Microbleading angeht. Ich habe extrem schnell, innerhalb einer Woche einen Termin bei ihr bekommen.
Für alle die nicht wissen was Microbleading ist, erkläre ich es kurz.
Die Augenbrauen werden mit feinen Nadeln nachgezogen, eine Art Tätowierung. Es hat schon etwas weh getan, dennoch habe ich es ohne Betäubung über mich ergehen lassen. Melinda hat sich richtig viel Mühe gegeben, dass die Augenbrauen so natürlich wie möglich aussehen und dass wenn die Augenbrauen ausfallen, wirklich keine Lücke zu sehen ist. Ich bin unglaublich froh, dass sie mich so kurzfristig behandelt hat. Danke Meli!!

So, also, Perücke, Nägel und Augenbrauen sind bereit für die Chemo.

Also dachte ich mir, dass meine Haare etwas langweilig aussehen. Also ab zu DM und Farbe gekauft. Natürlich ist Grün die Farbe der Hoffnung, nichts wie los. Meine Haarspitzen sind nun grün getönt, leider aber schon fast wieder raus gewaschen. Verrückt, dass hätte ich vor Herr Krebs niemals gemacht.


Ich glaub der Herr Krebs macht mich noch mutiger und lebensfroher als ich eh schon bin. Danke Herr Krebs.

Damit die Chemo nun endgültig starten kann fehlte nur noch ein kleiner Helfer. Dieser wurde mir gestern eingesetzt. Einen Port. Über diesen kleinen neugewonnen Freund wird die Chemo gegeben.

Klein Porti wurde mir im Klinikum Bad Cannstatt eingesetzt. Ich war mega entspannt und wieder etwas albern. Als ich zum 100. Mal von den Schwestern gefragt wurde , wie ich heiße, wann ich geboren bin und was bei mir gemacht wird. Antwortete ich, dass ich heute eine Brustvergrößerung bekomme. Zum Glück hatten die Schwestern auch Humor. Vor der Narkose durfte ich sogar meinen neuen Lebensbegleiter sehen, er ist lila und winzig. Echt niedlich.

Vor der Operation
Die Narkose habe ich mal wieder sehr gut vertragen und ich durfte 2 Stunden später nach 4 Scheiben Zwieback, Wasser und Tee, das Krankenhaus mit meinem Liebsten verlassen.

Bevor die Chemo nun los geht wird morgen noch mal ordentlich gefeiert. Das Motto der Party lautet: Auf die Glatze fertig los!! und es wird eine Bad-Taste Party.
Ich freue mich so sehr darauf.

Also Chemo, dann bis Montag!!



Montag, 31. Juli 2017

Krebs? Ja - Nein - Vielleicht

Nun ist mein erster Post über meine Erkrankung schon etwas her und es hat sich wieder sooo viel getan.

Meinen linken Eierstock vermisse weder ich, noch mein Körper. Es ist so extrem schnell verheilt alles.
Bin wieder fleißig im Fitnessstudio, damit ich gestärkt für die Chemo bin.

Ja Chemo steht nun bald an.
Aber mal von Anfang. Ich habe die Ergebnisse der entnommenen Proben sowie des Eierstocks erhalten.
Wieder eine gute Nachricht, es wurde in allem kein Herr Krebs gesichtet.

Der nette Arzt der mir diese erfreuliche Nachricht übermittelt hatte, hat mir nun auch gesagt, dass die Chemo nun leichter ausfallen wird.

Wir haben uns unendlich doll gefreut aber irgendwie konnte ich dieser Aussage nicht vertrauen, denn ich sollte eine Woche später wieder zur Chemo Besprechung erscheinen. Die Ärzte wären sich nicht sicher welche Chemo nun angewandt wird, da ich so einzigartig bin.
Naja eher mein Krebs ist einzigartig...
ICH NATÜRLICH AUCH.

So und nun? Habe ich nun Krebs? Ist Herr Krebs verschwunden ? Chemo? Wie schaut diese nun aus? Und vor allem, was passiert dann mit mir ?

Ok die Woche ging schnell rum, denn wir waren ein Wochenende in Belgien, beim Tomorrowland. Ein Traum wurde war, es war unbeschreiblich schön! Wunderschön! Fabelhaft!

Und nun war auch schon der Tag der Besprechung gekommen. Wir kamen sehr schnell dran. Sowohl die Oberärztin als auch der ChemoDoc waren da.
Sie erklärten mir nochmals dass Herr Krebs zu 100% nicht in den entnommenen Proben gefunden wurde, dennoch wollen sie auf Nummer sicher gehen, denn er könnte sich noch irgendwo in meinem Körper verstecken. Aus dem Grund werde ich nun eine stärkere Chemo erhalten. 
Die Chemo nennt sich PEB und wird eigentlich Männern mit Hodenkrebs verabreicht.
Vielleicht wollen sie mir auch was verheimlichen und ich habe irgendwo Hoden?

Na gut, meine Haare werden nun zu 100% ausfallen und ich bekomme 5 Tage lang à 7.5 Stunden stationär Chemo, dann Tag 8 und 15 nochmals eine ambulante Chemo. Und das wird  wiederholt und dann sollte ich sauber sein, von Herrn Krebs komplett frei. Und zu über 90% wird dieser Arsch auch nie wieder kommen.

Jetzt hatte ich noch einen Termin beim Lungenspezialisten. Meine Lunge ist super in Form und somit darf ich diese PEB Chemo bekommen. Bin nun sogar eine "besondere Patientin" dort. Falls was sein sollte, darf ich jeder Zeit kommen und werde sofort ohne Wartezeit dran genommen. VIP!

Aber vor der Chemo geht's erstmal auf Kos, schön entspannen, 2,3 Kg zunehmen und einfach das Leben genießen.  Denn danach geht's richtig los. Bekomme einen Port gelegt und eine Woche später erhalte ich die Chemo.

Was soll's, nun bleibt mir ja nichts anderes übrig. Dann mache ich das beste draus, werde meine Haare noch bunt färben, bevor sie ausfallen.

Anfang Oktober ist der ganze Spuk hoffentlich vorbei und ich kann meine wunderschöne Perücke ausführen.



Freitag, 14. Juli 2017

Krebs ist nicht nur ein Tier

Bis vor 3 Wochen habe ich die Hälfte meines Lebens gegen meinen Körper gekämpft, mindestens 3 mal in der Woche bin ich ins Fitnessstudio getigert, gesunde Ernährung, Diäten, ich war sauer auf meinen Körper und auf mich, wenn es nicht so geklappt hat wie ich es mir gewünscht habe. Der Körper war nie perfekt. Nur was ist denn perfekt?
Ich habe mich teilweise geschämt für einzelne Körperteile, die mich evtl sogar an jemand erinnert haben, der kein Teil mehr meines Lebens ist. Ja ich habe meinen Körper formen wollen. Um anders zu sein... oder vielleicht um so zu sein wie tausende andere Frauen?

Ich habe auf Alkohol verzichtet, auch weil ich es einfach nicht mag, habe noch nie in meinem Leben geraucht oder Drogen genommen und dennoch erhalte ich diese Diagnose mit gerade mal 28 Jahren?

Nun habe ich Krebs.
Die Diagnose kam einfach so, ohne Vorwarnung oder einer Vorahnung, hätte mich nicht jemand vorher warnen können? Mich aufklären oder einfach vorbereiten können? 

Ich saß dort im Arztzimmer, die Ärztin erzählt alles mit ruhiger Stimme, klar und verständlich, dennoch bekomme ich nichts mit. Fühle mich wie in einer Luftblase, einem Vakuumglas... 
mir liefen die Tränen, ich zitterte, ich habe es nicht verstanden.
Bis sie gesagt hat wie meine Chancen stehen... 90% wenn es nicht gestreut hat.

90%? Was ist mit den 10 weiteren Prozenten? Wie gestreut? Ich habe wirklich Krebs? Ich ?
Das haben doch nur andere Menschen, im Fernsehn oder alte Leute. Oder eben Menschen die man nicht kennt...
Nein es haben auch Menschen, Liebsten von mir bereits erwischt, es ist nicht immer gut ausgegangen. Und dennoch war es weit weg von mir. Ich dachte nie, dass auch ich irgendwann Herrn Krebs begrüßen muss.

Wie kann das sein? Ich habe doch nie etwas schlechtes mit meinem Körper gemacht? Oder etwa doch? Hätte ich vielleicht Alkohol trinken sollen oder rauchen? Oder war es der Stress? Wieso habe ich nun Krebs? so plötzlich?

Zum Glück war mein Herzensmann mit im Krankenhaus, er konnte alle Fragen stellen, die mir in dem Moment durch den Kopf schossen, die ich aber nicht hätte stellen können...

Wir gingen gemeinsam aus dem Krankenhaus, total benebelt und neben der Spur. Die Diagnose war wie ein schlechter Traum und ist es noch immer.

Nach dem Termin wollte ich doch arbeiten... hatte ich einen Tag zuvor meinen Kolleginnen gesagt. Wer hätte denn auch sowas erwartet ? 

Also fuhren wir gemeinsam zur Kita, ich wollte es einfach direkt sagen, meinen Chef vorwarnen und meinen Kolleginnen erklären warum ich nun erstmal eine Woche zu Hause bleibe, um den Schock zu verarbeiten und es evtl zu realisieren. 
Eine Woche? Mir war wirklich nicht bewusst was nun alles auf mich zu kommt...

Es war der reinste Horror, es meinen Kolleginnen zu erzählen. Ja ich habe nun Krebs, aber irgendwie doch auch nicht ? Oder?  Sie waren geschockt, haben mit mir geweint aber mir auch viel Mut zugesprochen. Danke dass ihr mich in dem Moment so aufgefangen habt.

An den nächsten Tagen habe ich es versucht allen mir nahe stehenden Personen schonend beizubringen. Aber wie kann man es anderen erklären was man selbst nicht realisiert ? Ich habe jedem den gleichen Text erzählt, weil ich ja mehr auch nicht weiß:

"...der Befund der entnommen Zyste hat ergeben, dass in dieser bösartige Anteile gefunden wurden, deshalb muss nun auch der Eierstock entnommen werden. 
Da diese beschissene Zyste während der OP geplatzt ist, kann es sein dass es gestreut hat... und Ende August erhalte ich Chemo..."
Mehr weiß ich doch auch nicht. 

Ich habe versucht es jedem schonend beizubringen. Vielleicht auch um es mir schonend beizubringen? 

Es standen Arzttermine an. Meine Eizellen müssen entnommen und eingefroren werden. Da durch die Chemo alles zerstört werden kann. Wir waren gemeinsam im Kinderwunschzentrum und haben uns beraten lassen. 

Wie? wir müssen alles selbst zahlen? "Sozial freezing" ? Nicht deren Ernst? 
Leider doch... Wir müssen die komplette Behandlung sowie Medikamente zur Eizellentnahme selbst zahlen, da es "sozial freezing" ist! 
Ich habe mit der Krankenkasse telefoniert. "Der Gesetzgeber hat vorgegeben, dass "sozial freezing" eine Privatleistung ist und somit, egal ob Krebspatientin oder nicht, selbst gezahlt werden muss."

Super nun habe ich Krebs und muss eine Behandlung im Wert von um die 5.000€ selbst zahlen. Nicht das der Krebs schon mein größtes Problem wäre... 

Und wie ist das denn mit Krebspatientinnen, die kein Geld zur Seite gelegt haben ? Haben diese eben Pech? Dürfen später keine Kinder haben? Nur weil sie die finanziellen Mittel nicht haben? 
Was ist das bitte für eine Scheiße? Was soll das Deutschland? Wie ungerecht ist das bitte? 

Ich habe mich tagelang so sehr darüber aufgeregt, dass ich selbst mit meinem Hausarzt darüber gesprochen habe...  er meinte zum Schluss nur, dass man nicht umsonst sagt, dass arme Menschen früher sterben... oh man da hat er leider wirklich recht.
...wer kein Geld hat kann sich eben nicht die tolle medizinische Versorgung leisten. Solch eine Sauerei!!!!!

Das Thema ist wirklich zum Kotzen!!!

Zwei Tage nach der Diagnose ging es also nun mit den Hormonen los, damit in mir schöne, große und viele Eizellen heranreifen. 3 Spritzen täglich und nach einer Woche waren so viele da, dass ich einen Bauch einer Schwangeren im 5 Monat hatte... 
Montags war es dann soweit die Eizellen wurden unter Vollnarkose entnommen und mit den Samen meines Herzensmannes befruchtet. Nun kuscheln sie bei Minusgraden zusammen im Gefrierschrank.

Bevor sie aber befruchtet werden durften sollten wir  schnellstmöglichst vor der Entnahme noch zum Jugendamt. 
Wir sind nicht verheiratet und mussten somit eine Urkunde unterschreiben, in der steht, dass mein Herzensmann nun der zukünftige Vater unserer "noch nicht gezeugten Kinder" ist. Und, das Wichtigste wohl für alle Beteiligten, besonders für das Kinderwunschzentrum, dass er Unterhaltspflichtig ist für unsere noch nicht gezeugten Kinder. 
Sehr romantisch!!!! 

Naja etwas Gutes gab es diese Woche dann doch noch... Ich bin wohl eine sehr gute Legehenne... 14 Eizellen konnten entnommen werden.

"Yeah eine ganze Fussballmannschaft inkl.  Auswechselspieler", war das Erste was er dazu gesagt hatte.

Die Eizellen sind nun in Sicherheit, so darf einen Tag später der Eierstock raus.
Dieses Mal in der Frauenklinik Olgäle Stuttgart.
Wieder Vollnarkose und los geht's. Gefühlte 5 Minuten später lag ich im Aufwachraum, mir geht's echt gut. Und dann wurde ich auch direkt auf mein Zimmer gebracht. 

Mein Herzensmann war auch direkt da. Ohne ihn wäre ich wohl momentan echt aufgeschmissen... 

Alles ist gut verlaufen, sie haben mehrere Proben, u.a. vom Zwerchfell, entnommen und auch eingeschickt. Eine Woche später erhalte ich dann die Ergebnisse. 

Nun, da ich eh schon im Krankenhaus bin, darf ich zum Herz Echo, zur Sonographie und auch die Nieren werden noch mal gründlich begutachtet.

Es war ein wunderschönes Gefühl das eigene Herz zu sehen und zu hören. Total beruhigend und irgendwie auch emotional.

Die Ärztin sagte nur, dass alles in Ordnung sei und mein Herz die Chemo verkraften wird. 

Halloooo? Natürlich wird es das? Das ist doch klar, dafür hätte ich nun wirklich nicht extra dahin gehen müssen. Dass weiß ich doch, dass mein Herz stark genug ist!!!! 
Das bisschen Chemo schaffe ich mit Links.

Dann kam die Sonographie, einen Tag später. Oh man war ich aufgeregt. Es wird nun geschaut, ob sich evtl Metastasen gebildet haben. 
Der Arzt schaute sehr ernst während er meinen ganzen Bauch abschallte. 
Dann sprach er endlich mit mir... er sieht nichts. Es sieht alles normal aus, keine Metastasen, nichts!!

Puh ich hätte vor Freude weinen können. Endlich wieder ein gutes Zeichen. So kann es jetzt auch weiter gehen... 

Die Ergebnisse der entnommenen Proben müssen jetzt noch abgewartet werden... aber die werden auch nicht befallen sein, ganz ganz bestimmt. 

Die Frauenklinik, Olgäle, Stuttgart, ist wirkich ein Traum gewesen. Danke an die Station MB 52, ihr seid wunderbare Schwestern!  Ich habe mich so wohl und total gut aufgehoben gefühlt.

Nach 2 Nächten all inclusive durfte ich nach Hause und mir ging es wirklich klasse. Endlich wieder im eigenen Bett schlafen und unseren kleinen Mann sehen und kuscheln. 

Balu war total aufgeregt und freute sich so unfassbar, dass ich wieder zu Hause war. Das war ein wunderschönes Gefühl.

Es ist wunderbar die zwei tollsten Männer wieder um sich zu haben! 


Seitdem ich wieder zu Hause bin, werde ich natürlich von allen gefragt wie es mir jetzt geht? Leider kann ich diese Frage immer noch nicht wirklich beantworten. Denn eigentlich geht´s mir ja gut, bis auf die OP-Wunden... ich fühle mich nicht als hätte ich Krebs. Ich dachte immer, was vielleicht kindisch ist, dass sich Krebs-Patienten krank fühlen. Ich fühle mich aber absolut nicht krank...

Das Schlimmste aber an dem ganzen Krebs-Zeug ist das Warten und das Ungewisse. Ständig auf Ergebnisse oder Untersuchungen warten. Und sich zu fragen wie es nun weiter geht.

Und was ist überhaupt diese Chemo? Was kommt auf mich zu? Wie reagiert mein Körper? Oh man keiner kann es mir sagen, dass ich echt kein schönes Gefühl...

Aber was soll's, mir wurde nun diese Aufgabe gegeben und diese werde ich auch bewältigen. 

Und vielleicht hat es auch alles was Gutes? 

Ich Kämpfe nun für meinen Körper und mit ihm gemeinsam um mein Leben. Das ist ein schönes Gefühl. 

Warum gegen den Körper kämpfen? Nur damit man so aussieht wie tausend andere Frauen ? Dann habe ich lieber schöne Kurven, bin gesund und habe Zeit für wichtigere Sachen im Leben. Und das Wichtigste in unserem Leben sind doch immer unsere Lieben, Familie, Freunde und dass wir glücklich sind.

Danke für alle die in dieser Zeit für mich da sind. Danke für alle bisher erlebten und die tausend weiteren schönen Momente in meinem Leben. 

Danke an meine  zwei tollen Männer. Ich liebe Euch von ganzen Herzen.


Und nur damit du es weißt, Herr Krebs, ich werde dich besiegen und Ende des Jahres eine riesige Party feiern.